Warum profitieren Kinder aus wohlhabenden Familien steuerlich stärker als Kinder aus Familien mit wenig Geld? In meiner Rede am 8. Oktober 2026 im Bundestag habe ich kritisiert, dass die geplante Steuerreform diese Ungleichheit sogar vergrößern könnte. Mit einem eigenen Antrag zeige ich, wie wir das Kindergeld stärken und die Förderung von Familien gerechter gestalten wollen.
Meine Rede im Bundestag: Familien gerecht entlasten
Jedes Kind ist gleich viel Wert
Zwei Kinder sitzen nebeneinander in derselben Schulklasse. Die Eltern des einen verdienen wenig, die Eltern des anderen sehr viel. Warum sollte der Staat die wohlhabendere Familie wegen ihres Kindes stärker entlasten?
Genau das passiert durch unser heutiges Steuersystem. Das Kindergeld beträgt 259 Euro im Monat, also 3.108 Euro im Jahr. Bei sehr hohen Einkommen können die steuerlichen Freibeträge für Kinder dagegen eine Entlastung von rund 4.600 Euro jährlich bewirken. Das sind rund 1.500 Euro Unterschied.
Der Hintergrund: Das Finanzamt prüft, ob die Freibeträge für Kinder einen größeren Steuervorteil bringen als das Kindergeld. Weil höhere Einkommen stärker besteuert werden, können sie auch stärker von diesen Freibeträgen profitieren.
Die Bundesregierung vergrößert die Ungleichheit
Die schwarz-rote Bundesregierung will das Kindergeld 2027 auf 267 Euro und 2028 auf 272 Euro erhöhen. Das ist grundsätzlich richtig, reicht aber nicht aus.
Denn gleichzeitig sollen die Freibeträge für Kinder auf 10.056 beziehungsweise 10.236 Euro steigen. Hinzu kommt ein geplanter Steuersatz von 47 Prozent für besonders hohe Einkommen. Dadurch wächst auch der maximale Steuervorteil der Kinderfreibeträge. Die Differenz zwischen Kindergeld und maximaler Steuerentlastung steigen damit bis 2028 von rund 1.500 auf bis zu 1.800 Euro jährlich.
Dabei hat die Koalition in ihrem Koalitionsvertrag selbst versprochen, diese Schere schrittweise zu verkleinern. Dieses Ziel verfehlt die Koalition mit dem Gesetzentwurf nicht nur, nein, sie verstärkt sogar die bestehende Schere.
Mein Antrag: Mehr Kindergeld und dauerhaft gerechte Regeln
Mit meinem Antrag „Kindergeld stärken, Entlastungsschere schließen – Familienleistungsausgleich gerechter gestalten“ fordere ich deshalb konkrete Verbesserungen.
Erstens muss das Kindergeld stärker steigen als bisher geplant. Entscheidend ist, dass der Unterschied zur maximalen Steuerentlastung durch Kinderfreibeträge tatsächlich kleiner wird.
Davon profitieren besonders Familien mit kleinen und mittleren Einkommen sowie Alleinerziehende. Denn Kindergeld gibt es grundsätzlich unabhängig davon, wie viel Einkommensteuer die Eltern zahlen.
Zweitens müssen wir verhindern, dass die Ungleichheit bei späteren Anpassungen erneut wächst.
Drittens soll die Bundesregierung ihren Gesetzentwurf für 2027 entsprechend verbessern. Dabei muss sie auch den erwarteten 16. Existenzminimumbericht berücksichtigen. Denn das Existenzminimum von Kindern muss selbstverständlich steuerfrei bleiben.
BEA-Freibetrag gerechter gestalten
Unser Antrag geht bewusst weiter. Wir wollen auch den sogenannten BEA-Freibetrag überprüfen. Er berücksichtigt steuerlich den Bedarf von Kindern für Betreuung, Erziehung oder Ausbildung und beträgt derzeit 2.928 Euro.
Wir wollen klären, welcher Teil davon verfassungsrechtlich vorgeschrieben ist und wo die Politik Gestaltungsspielraum hat. Dafür brauchen wir aktuelle Daten darüber, welche Kosten und Bedarfe für Betreuung, Erziehung und Ausbildung tatsächlich entstehen und welche bereits durch andere Steuerregelungen berücksichtigt werden.
Außerdem muss geprüft werden, welche Kosten bereits an anderer Stelle steuerlich berücksichtigt werden, beispielsweise durch den Abzug von Kinderbetreuungskosten.
Auf dieser Grundlage soll die Bundesregierung einen Reformvorschlag erarbeiten. Ziel ist eine gerechtere Förderung, die alle verfassungsrechtlichen Anforderungen erfüllt und berücksichtigt, dass Freibeträge bei hohen Einkommen größere Steuervorteile bewirken können.
Familienpolitik muss als Ganzes funktionieren
Doch damit ist die Diskussion nicht beendet. Auch andere Regeln wie der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende oder das Ehegattensplitting beeinflussen, wie viel Unterstützung Familien tatsächlich erhalten.
Deshalb sollten wir diese Maßnahmen gemeinsam betrachten und besser aufeinander abstimmen. Entscheidend ist nicht, welche Entlastungen auf dem Papier versprochen werden, sondern was im Alltag bei Familien ankommt.
Das Einkommen der Eltern darf nicht darüber entscheiden, wie stark der Staat Kinder unterstützt. Entscheidend müssen die Bedarfe der Kinder sein!
Jetzt liegt es an der Bundesregierung, ihren Gesetzentwurf nachzubessern. Mein Antrag zeigt, wie das gelingen kann.