Die Union verspricht beim Heizen mehr „Technologieoffenheit“ und Bezahlbarkeit. Doch was als Freiheit verkauft wird, droht für viele Mieter*innen zur teuren Illusion zu werden. Ein Faktencheck zur aktuellen Debatte um das Gebäudeenergiegesetz.
Was bedeutet „Technologieoffenheit“ wirklich?
CDU-Fraktionschef Jens Spahn erklärte in der Pressekonferenz zur Einigung der Reform, man wolle beim Klimaschutz wieder „Akzeptanz und Bezahlbarkeit“ herstellen, alle Heizungsarten seien künftig wieder möglich. Das klingt zunächst nach Wahlfreiheit. Doch gerade Mieter*innen haben diese Freiheit faktisch nicht: Sie entscheiden in der Regel nicht darüber, welche Heizung im Keller steht – zahlen aber die laufenden Kosten.
Die entscheidende Frage lautet daher: Vor wem oder was soll diese Politik eigentlich „retten“? Vor der angeblich drohenden Wärmepumpen-Pflicht? Vor dem Mythos, jemand würde funktionierende Heizungen aus Kellern reißen? Diese Erzählung wurde monatelang aufgebaut. obwohl das Gebäudeenergiegesetz immer Übergangsfristen, Ausnahmen und umfangreiche Förderprogramme vorsah. Im Widerspruch zum Fakt, dass niemand gefordert hat, dass jetzt alle laufenden Gasheizungen aus den Eigenheim gerissen werden. Auch Markus Söder hat monatelang über das Gebäudeenergiegesetz geschimpft. Die Bayer*innen waren aber klüger als ihr Ministerpräsident: Ein Fünftel der bundesweiten Fördermittel floss nach Bayern.
Fossiles Heizen wird teurer
Spahn argumentiert beim Morgenmagazin, klimaneutrales Gas oder Öl könne bezahlbar sein, weil bei steigenden CO₂-Preisen für fossile Energien diese Zusatzkosten bei „klimaneutralen“ Varianten entfielen. Doch hier passt das Argument nicht zur Realität.
Der CO₂-Preis auf Erdgas und Heizöl steigt schrittweise. Das ist politisch so festgelegt, damit klimaschädliche Energien ihren wahren Preis widerspiegeln. Fossiles Heizen wird also teurer – unabhängig von politischen Mehrheiten..
Die Hoffnung, steigende Kosten durch Beimischung von ein paar Prozent Biomethan oder synthetischem Gas auszugleichen, ist illusorisch. Biogas ist begrenzt verfügbar und wird bereits heute in vielen Bereichen benötigt – etwa in Industrieprozessen, die sich nur schwer elektrifizieren lassen. Für einen flächendeckenden Einsatz im Wärmemarkt reicht die Menge nicht aus. Ähnlich wie bei den E-Fuels im Verkehrsbereich gilt: technisch möglich, aber teuer und lange nicht ausreichend verfügbar. Es ist eine Scheindebatte mit den üblichen Buzzwords wie „Technologieoffenheit“, um sich selbst als Retter vor Dingen verkaufen zu können, die man im Zuge des eigenen Populismus schlicht erfunden hat.
Wärmepumpe: Über die Laufzeit günstiger
Zahlreiche Analysen zeigen: Über die gesamte Nutzungsdauer betrachtet ist die Wärmepumpe in den meisten Fällen die günstigste Heizoption – insbesondere bei steigenden CO₂-Preisen. Sie nutzt auf hocheffiziente Weise Strom, der zunehmend aus erneuerbaren Quellen stammt, und macht unabhängiger von importiertem Gas und Öl.
Wer jetzt wieder stärker auf fossile Heizungen setzt oder auf unsichere Hoffnungen bei „klimaneutralem Gas“ baut, verlängert die Abhängigkeit von knappen und teuren Energieträgern. Das schafft keine Planungssicherheit, sondern neue Unsicherheit – für Eigentümer*innen und eine unausweichliche Kostenfalle für Mieter*innen.
Soziale Gerechtigkeit heißt: raus aus der Kostenfalle
Klimaschutz ist immer auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Steigende fossile Energiepreise treffen Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen besonders hart. Deshalb braucht es verlässliche Förderung, klare Regeln und einen konsequenten Ausbau erneuerbarer Wärme.
Die Wärmewende abzubremsen, wie es die Union derzeit vorschlägt, bedeutet: höhere langfristige Kosten und weniger Investitionssicherheit. Statt mit Schlagworten wie „Technologieoffenheit“ Erwartungen zu wecken, die physikalisch und wirtschaftlich kaum haltbar sind, braucht es Ehrlichkeit: Nicht jede Technologie ist in gleicher Weise verfügbar, bezahlbar und klimafreundlich.
Fazit: Freiheit braucht Fakten
Echte Freiheit entsteht nicht durch das Festhalten an fossilen Strukturen, sondern durch Unabhängigkeit von teuren Importen und steigenden CO₂-Kosten. Wer heute in erneuerbare Wärme investiert, schützt Klima und Geldbeutel – besonders den von Mieter*innen.
Technologieoffenheit darf kein Vorwand sein, um notwendigen Fortschritt auszubremsen. Entscheidend ist, welche Lösungen realistisch, sozial gerecht und generationengerecht sind. Für uns ist klar: Die Zukunft des Heizens ist erneuerbar – und sie muss für alle bezahlbar sein.