Kindergeld soll Familien entlasten – doch bei vielen Alleinerziehenden kommt es gar nicht an. Eine Petition macht auf diesen Missstand aufmerksam. Warum Reformen dringend nötig sind und wie ein Alleinerziehendengeld gezielt helfen kann.
Kindergeld kommt oft nicht bei den Kindern an
Kindergeld soll sicherstellen, dass alle Kinder in Deutschland finanziell unterstützt werden. Doch für viele Alleinerziehende erfüllt es genau diesen Zweck nicht.
Der Grund liegt im System des Unterhaltsvorschusses: Wenn ein Elternteil keinen Unterhalt zahlt, springt der Staat ein. Gleichzeitig wird jedoch das Kindergeld vollständig auf diesen Vorschuss angerechnet. Das bedeutet konkret: Bis zu 259 Euro monatlich kommen bei vielen Familien gar nicht zusätzlich an. Das Kindergeld wird in diesen Fällen faktisch verrechnet – und erreicht die Kinder nicht. Schätzungen zufolge betrifft das hunderttausende Kinder in Deutschland.
Petition macht auf strukturelle Ungerechtigkeit aufmerksam
Auf diesen Missstand macht Delia Keller mit einer Petition aufmerksam, die kürzlich dem Bundestag übergeben wurde. Die zentrale Forderung: Kindergeld muss tatsächlich bei den Kindern ankommen – unabhängig davon, ob Unterhaltsvorschuss gezahlt wird oder nicht.
Die Petition kritisiert, dass das aktuelle System Familien benachteiligt, die ohnehin unter besonderen Belastungen stehen. Alleinerziehende tragen häufig die volle Verantwortung – finanziell, organisatorisch und emotional. Gerade sie sind aber besonders von lückenhaften oder widersprüchlichen Unterstützungsmechanismen betroffen.
Diese Kritik ist berechtigt: Ein System, das Leistungen miteinander verrechnet, statt sie gezielt zu stärken, verfehlt sein Ziel sozialer Gerechtigkeit.
Familienpolitik gerechter gestalten
Familienpolitik muss stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet werden. Kinderarmut zu bekämpfen und gleiche Chancen zu ermöglichen, ist ein zentrales Ziel von mir.
Ein wichtiger Ansatz ist dabei, bestehende Leistungen verständlicher, gerechter und zielgerichteter zu gestalten. Dazu gehört auch, Fehlanrechnungen abzubauen und sicherzustellen, dass Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Der Handlungsbedarf ist auch politisch längst erkannt: Bereits im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wurde vereinbart, die Anrechnung des Kindergeldes beim Unterhaltsvorschuss zu beenden. Passiert ist bislang jedoch nichts. Umso wichtiger ist es jetzt, dass diese Vereinbarung endlich umgesetzt wird. Familien – und insbesondere Alleinerziehende – brauchen verlässliche Unterstützung, die auch tatsächlich bei ihnen ankommt. Die Bundesregierung steht hier in der Verantwortung, ihre eigenen Zusagen einzuhalten.
Ergänzung durch ein Alleinerziehendengeld
Neben der Reform bestehender Leistungen braucht es zusätzliche Instrumente. Ein Vorschlag ist die Einführung eines Alleinerziehendengeldes, das gezielt Familien mit kleinen und mittleren Einkommen unterstützt.
Konkret bedeutet das:
- 170 Euro monatlich für das erste Kind
- plus 40 Euro für jedes weitere Kind
Damit würde eine Lücke geschlossen, die der bisherige Entlastungsbetrag für Alleinerziehende lässt. Denn dieser wirkt vor allem bei höheren Einkommen – viele Alleinerziehende profitieren kaum davon.
Ein Alleinerziehendengeld würde hingegen direkt helfen, finanzielle Spielräume zu schaffen und den Alltag spürbar zu erleichtern.
Unterstützung, die ankommt
Kindergeld ist eine zentrale familienpolitische Leistung. Umso wichtiger ist es, dass es seine Wirkung entfalten kann. Die aktuelle Praxis zeigt: Es gibt Reformbedarf.
Die Forderungen der Petition weisen in die richtige Richtung. Ergänzt durch gezielte Maßnahmen wie ein Alleinerziehendengeld kann eine Familienpolitik entstehen, die gerechter ist und alle Kinder in den Mittelpunkt stellt.
Jetzt ist die Bundesregierung gefragt, diese Ungerechtigkeiten zu beseitigen und ein System zu schaffen, das Familien wirklich stärkt.