Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Was als Modernisierung verkauft wird, droht in Wahrheit zum Bremsklotz für Bürgerenergie und Photovoltaik zu werden – und stärkt zentrale Player statt dezentrale Akteure.
Keine Planungssicherheit mit Reiche
Das EEG war über viele Jahre ein Erfolgsmodell. Die feste Einspeisevergütung sorgte dafür, dass Privatpersonen, Landwirt*innen und kleine Betriebe in Solaranlagen investieren konnten. Ein erheblicher Teil der in den letzten Jahren neu installierten Photovoltaik-Leistung stammt von eben diesen Bürger*innen, Landwirt*innen und dem Mittelstand.
Diese Sicherheit will die Ministerin Reiche nun streichen. Die garantierte Vergütung pro eingespeister Kilowattstunde soll entfallen. So werden gerade auch die Investitionen der Mittelständler*innen gefährdet. Für kleinere Anlagen bis 25 Kilowatt ist sogar vorgesehen, jegliche Förderung zu beenden. Hinzu kommt: Bei kleineren Anlagen werden die Einspeisespitzen bei 50 Prozent gekappt. Das bedeutet, dass saubere Energie nicht vollständig ins Netz eingespeist werden darf. Statt Ausbau zu fördern, würden produktive Kapazitäten künstlich begrenzt.
Mehr Bürokratie, mehr Risiko
Auch die geplante Ausweitung der verpflichtenden Direktvermarktung trifft vor allem kleine Betreiber*innen. Wer künftig seinen Strom selbst vermarkten muss, trägt mehr Kosten und mehr Risiko. Ein funktionierender Markt für kleine Strommengen existiert bislang kaum, die digitale Infrastruktur ist lückenhaft.
Damit werden Hürden aufgebaut, die vor allem große Unternehmen leichter überwinden können. Bürgerenergieprojekte oder kleine & mittelgroße Betriebe hingegen geraten ins Hintertreffen.
Dezentralisierung stabilisiert das Netz
Eine starke dezentrale Energieerzeugung ist, neben dem dringend notwendigen Netzausbau, ein stabilisierender Faktor für unser Stromsystem. Wenn Strom dort erzeugt wird, wo er verbraucht wird – auf Dächern, in Kommunen, in Energiegenossenschaften – entlastet das Netze, reduziert Transportverluste und erhöht die Resilienz gegenüber Ausfällen. Eine vielfältige, regionale Erzeugungsstruktur ist ein Sicherheitsgewinn. Wer diese Strukturen schwächt, riskiert neue Abhängigkeiten.
Politische Interessenlage
Katherina Reiche war vor ihrer Rückkehr in die Politik viele Jahre als Lobbyistin in der Energiewirtschaft tätig. Sie vertrat unter anderem die Interessen großer Energieunternehmen. Diese Unternehmen setzen traditionell stärker auf zentrale Strukturen und große Kraftwerkskapazitäten – darunter fossile Energieträger.
Die nun geplanten Änderungen schwächen ausgerechnet jene Akteur*innen, die die Energiewende in den vergangenen Jahren getragen haben: Bürger*innen, Kommunen und mittelständische Betriebe. Gleichzeitig profitieren vor allem größere Marktteilnehmer, die komplexe Vermarktungsmodelle stemmen können. Der Gesetzentwurf wirkt in diesem Kontext wie der Wunschzettel von Energiekonzernen.
Fazit: Energiewende braucht Bürgerenergie
Das Ziel von 80 Prozent Erneuerbaren bis 2030 bleibt offiziell bestehen. Doch ohne klare Ausbaupfade und mit geschwächter Bürgerenergie wird dieses Ziel schwer erreichbar.
Eine erfolgreiche Energiewende braucht Dezentralität, Teilhabe und verlässliche Rahmenbedingungen. Wer die ökonomische Grundlage für private Investitionen entzieht, bremst den Fortschritt. Energie in Bürgerhand ist kein Nebenschauplatz – sie ist ein zentraler Baustein für Bezahlbarkeit, Klimaschutz und Versorgungssicherheit.